Zu viele Menschen überall

Donnerstag, 15. September 2011 | von

Marco Schwarz

Überall sind zu viele Menschen. Und denk nicht, ich lebte in einer Großstadt. Dieses Bad Säckingen ist eine kleine Stadt von 17000 Einwohnern, mein Dorf Wallbach hat etwa 1500 Leute und liegt zwei Kilometer außerhalb.

Trotzdem sind überall zu viele Leute.

"Ich hasse die Menschen nicht. Aber ich fühle mich besser, wenn keine da sind."
Charles Bukowski

Bukowski sagte auch zu aufbrechenden Besuchern:
"Lasst nichts liegen, damit ihr nicht wiederkommen müsst!"

Auch ich bin weit davon entfernt, die Menschen zu hassen. Dafür habe ich zum Glück oder leider viel zu viel Mitgefühl. Das wird man nicht los. Man kann es aber in einer Sekunde vergessen. Wenn der Streit wieder ausbricht, wenn das Geschrei wieder anfängt.

Warum zu viele Menschen überall?

Weltweit gibt es eindeutig zu viele Menschen. Sie vermehren sich ungebremst, vor allem dort, wo es sowieso schon zu wenig zu essen gibt. Alte Tradition. Und wir sollen dafür aufkommen. Oder aber sie beginnen, wenn sie können, für ihre immer mehr Menschen alles aufzukaufen, wodurch die Preise steigen und die Waren immer spärlicher werden. Weniger Menschen – weniger Bedarf – mehr Reserven, niedrigere Preise.

Auch in Deutschland gibt es zu viele Menschen, sehr viele auch, die hinzugekommen sind und durch ihre Art, ihre Kultur und ihr Verhalten nicht hier hingehören, sich aber auch nicht anpassen wollen, sondern erwarten, dass sich das Gastland anpasst. Solche Leute sind hier eindeutig zu viel. Wer so etwas schreibt, wird als rechts und Nazi hingestellt, aber ich habe keinen Respekt mehr vor grün-linken Hetzern und nehme das in Kauf.

Aus traditionell katholischer Sicht gibt es zwei Aspekte: Es seien längst nicht zu viele Menschen auf der Welt. Das Problem liege nur in der ungerechten Verteilung der Güter. Und: Alle, die sich auf die Ideale der Aufklärung berufen, haben – wahrscheinlich, ohne es zu wollen – Gott vom Sockel gestoßen und den Menschen selbst zum höchsten Wesen gemacht! Das kann nur ins Unglück führen, denn das ist nicht die Rolle, die dem Menschen zugedacht ist.

Ach was. Darum geht es mir gar nicht!

Hier direkt vor meiner Nase gibt es zu viele Leute. Bei uns ist der Raum begrenzt. Im Süden liegt der Rhein und die Schweiz, im Norden der Schwarzwald. Von Ost nach West reihen sich kleine Städte und Dörfer im Hochrheintal, dazwischen wenig freies Land, zerschnitten von Bahn und Strassen. Die Häuser fressen sich wie Geschwüre die Hänge hinauf. Die Strassen sind voll. Es gibt Autofahrer, Lkw-Fahrer, Motorradfahrer, Rollerfahrer, Radfahrer, Jogger, Fußgänger, Walker, Wanderer, Spaziergänger, Hunde, Katzen. Die Menschen neigen dazu, sich auszubreiten und das Land, auf dem sie sind, als ihr eigenes zu betrachten. Jeder kommt jedem in die Quere.
Jeder Ort versucht, noch mehr Leute zu bekommen. Warum? Ich weiss es nicht! Man fühlt sich dann wohl wichtiger.
"Ja, dann zieht doch in die Großstadt!"

In jedem Ort finden ständig Veranstaltungen statt. Überall. Fast täglich. Dagegen wäre nichts zu sagen, aber Veranstaltungen ziehen, wenn sie gut gemacht sind, noch mehr Leute an. Noch mehr Leute: Tänzer, Zuhörer, Esser, Trinker. Müllproduzenten. Lärmproduzenten. Jede Veranstaltung muss grundsätzlich dauernd mit großen Lautsprechern beschallt werden. Warum? Ich weiss es nicht. Wahrscheinlich, weil man sich nur gut fühlen kann, wenn man permanent von Mainstream-Hitgeklimper berieselt wird. Vorsicht! In der Pause könnte sich ein eigener Gedanke entwickeln! Schnell die CD wechseln!

Heute meint jeder, er müsse singen. In Mikrophone, die wiederum zu großen Lautsprechern führen. Warum? Sänger scheint mir der einzige Weg, den die Medien zeigen, auf dem man sich noch wichtig und anerkannt fühlen kann. Aber wer hat behauptet, dass Sänger heute Philosophen ersetzen müssen? Warum fragt man ständig Sänger nach ihrer Meinung zu allen Themen? Wissen sie etwas, nur weil sie singen, was wir Blöden nicht wissen? Ich weiss auch das nicht.

Das ist jetzt überall so. Mir gefällt es nicht, aber mich zwingt ja auch keiner hinzugehen. Ein Problem bleibt dennoch an mir hängen:

Zu viele Menschen, wo ich bin

Es gelingt mir nicht, einen einzigen Spaziergang mit dem Hund zu machen, ohne jemanden zu treffen. Außer im Dauerregen. Morgens früh um 6:50 Uhr. Wir gehen los. 50 Meter zum Rheinuferweg. 1. Kreuzung: Der Radfahrer mit dem Schäferhund. Dino flippt aus, ich klammere ihn fest. 40 Meter weiter: Der erste Jogger. Dino flippt aus, ich klammere ihn fest. Die linke Schulter tut seit Monaten weh davon.
Dummerweise ist der Rheinuferweg zugleich Hochrhein-Radweg. Sofort zwei Radfahrer auf Rundreise. Dino bleibt ruhig. Warum?
Meine Lieblingsituation: Radfahrer – ein richtiges Sport-Arschloch, das sich und nur sich wichtig nimmt – rast lautlos von hinten heran. Gerade noch kann ich Dino festklammern. Er bellt und zieht. Der Sportler schreit und pöbelt mich im Vorbeirasen an. Ich pöble zurück:
"Halt deine Fresse! Du kannst ja klingeln, wenn du kommst!"

Und so weiter. Das geht manchmal den ganzen Tag so. Im Feld treffe ich den alten Jugo mit dem Schäferhund. Der einzige Mensch, der mich jemals so provozierte, dass ich ihn um ein Haar in die Fresse geschlagen hätte. Ich tat es nicht, besser so. Ich zitterte vor Hass, denn er rief seinem Hund zu, als meiner bei ihm war:
"Fass! Beiss ihn!"

Dann kann ich auch die Früchte der Veranstaltungen ernten: Besoffene Schweine zerschlugen ihre Flaschen, gerade da, wo sie sie geleert haben! Ich gehe keinen Weg, ohne auf Scherben zu achten. Vor zwei Jahren schnitt sich Dino den Fuss im Schnee so tief auf, dass es vier Wochen bis zur Heilung dauerte. Hätte ich Macht, mit solchen Menschen würde ich grausam verfahren.

Es gibt auch Tage, an denen es friedlich bleibt. Wie durch ein Wunder treffen wir keine Feinde oder Gegner. Es kommt sogar vor, dass wir freundliche Leute und freundliche Hunde treffen. Dann freut sich auch Dino und läuft mit offenem Mund und schwänzelnd auf sie zu. Das kommt vor. Aber nur selten. Und nirgends, rein gar nirgends kann man mal allein sein. Mein Gott, wie muss es in China oder in Kalkutta zugehen?

  

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