Wie hältst du’s mit der Religion?

Freitag, 25. November 2011 | von

Marco Schwarz

Schon so lange frage ich mich:
"Welches ist die richtige Religion?"

Sie lachen? Weil das Unsinn ist? Was ist dann kein Unsinn? Ist es nicht so, dass man zumindest für sich selbst die richtige Religion finden muss, um mit den unsäglichen Eckpunkten der Existenz zurechtzukommen?

Die Welt existiert. Soweit wir es feststellen können. All die Systeme wie Galaxien, Sterne existieren, und vor allem die Erde mit Himmel, Wasser, Landschaften, Pflanzen, Tieren, Menschen und den von Menschen erzeugten Gegenständen. Zumindest sagen uns unsere Sinne, dass es so ist. Alles, was lebt, kommt ungefragt ins Leben, verbringt eine gewisse Zeit auf der Erde und stirbt dann wieder. Der tote Körper wird zersetzt, Geist oder Seele sind nicht mehr feststellbar. Da wir nicht nur Dinge tun, sondern denken, ja, denken müssen, und da alles, was lebt, den Wunsch zu haben scheint, weiterhin zu leben, ist diese Situation sehr unbefriedigend. Vor vielen Jahren las ich einmal einen Satz über das Leben der Beduinen:
"Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter. Manchmal regnet es. Dann sterben wir."

Das ist äußerst unbefriedigend.

Bei allen emotional geprägten Äußerungen ist es schwer, nüchterne Erkenntnis und Überlegung von den eigenen Wünschen frei zu halten. Bei diesem Thema ist es geradezu unmöglich.

Atheismus

Das gleich vorneweg: Der Atheismus scheint mir die trostloseste, aber auch die unwahrscheinlichste Sicht auf die Welt zu sein. Trostlos, weil man ohne Ausweg aufs Nichts zusteuert, und wenn man täglich noch so sehr feiert, falls man es noch kann. Und unwahrscheinlich, weil der Atheismus die Existenz eines Schöpfers ablehnt und somit behaupten muss, alles, was existiert, sei durch Zufall oder von selbst entstanden. Möglichst auch, ohne jeden tieferen Sinn. Dabei ist nicht einmal mein Auto durch Zufall von selbst entstanden!

Ich vermute, dass bereits die steinzeitlichen Höhlenmaler ein höheres philosophisches Niveau erreicht hatten, denn warum sonst hätten sie die sauberen Höhlenwände "besudeln" sollen? Trotzdem ist die aufgeklärte Gegenwart oberflächlich so stolz darauf, keinen Gott anzubeten, keiner Macht ihre Existenz zu verdanken. Religiöse Denker werfen der "Postmoderne" die Ursünde vor: Gott beiseite geschoben und den Menschen selbst an die höchste Stelle gesetzt zu haben. Bleibt ihr denn etwas anderes übrig, wenn es nichts anderes gibt?

Der Atheismus ist keine Lösung.

Der Schöpfergott

Dann ist die Welt also aus einem Schöpfergott hervorgegangen. Ein unerklärliches, unbeschreibliches Wesen, dass so groß ist, dass es das gesamte Universum hervorbringen, mit passenden Eigenschaften versehen und zum Leben erwecken konnte. Dieser Gott kann derart unermesslich und übermächtig sein, dass einem nichts übrig bleibt als so auf der Erde zu leben, wie es eine Bakterie im Darm tut. Dies ist die unterste Stufe eines Glaubens. Er ist neben dem Atheismus weit verbreitet, taugt aber noch nicht zur Religion, denn er entspricht eher einem dumpfen Ahnen, dass alles auf seltsame Weise irgendwie in Ordnung sein könnte. Nur weiss man nicht wie.

Wir sind aber keine Bakterien, auch wenn unser Körper aus vielen Zellen besteht, die Bakterien gar nicht so unähnlich sind.

Taoismus

Wir sind jetzt ungefähr beim Taoismus angekommen, jener altchinesischen "Nicht-Religion", deren Aussagen mir größten Respekt abfordern, die ich für lange Zeit als die bestmögliche Annäherung an die Wirklichkeit betrachtete.

Das Tao ist … ja, eben, man kann es nicht beschreiben. Es ist das, was alles hervorbingt. Man hat keinerlei Einfluss oder Zugang, aber das Tao ist selbst alles, was ist, auch die Lebenskraft, die alles durchdringt. Man kann alles mit den schönsten oder den hässlichsten Bildern ausmalen, weiss aber nicht mehr als zuvor. Und hat nicht viel in der Hand. Man kann chinesische Weisheiten zu Rate ziehen wie das alte Buch "I Ging" und erfährt zum Beispiel, dass alle Mühe nutzlos ist, wenn das eigene Bestreben nicht den Erfordernissen der Zeit entspricht.

Buddhismus

Nimmt man Aspekte des Buddhismus und des Zen hinzu, wie es in Ostasien im Laufe der Jahrhunderte geschehen ist, erhält man als endgültige Zukunftsvision das "Nirvana", einen abschließenden, ewigen Glückszustand, den niemand jemals bescheiben könnte. Der Weg dorthin ist steinig, denn er entwickelt sich erst über unzählige Wiedergeburten zur spirituellen Erfahrung der Seele, ein Weg als Aufstieg des Bewusstseins durch alle Formen des Daseins.
So, wie ich alles verstehe (?), endet auf diesem Weg das Fragen und das Sorgen, ganz am Schluß auch alles Leiden, denn das Leiden entsteht nur dadurch, dass man sich ständig gegen das Notwendige sperrt, das die Zeit erfordert.

Diese Art des Glaubens empfinde ich als von großem Reiz, aber auch so fremdartig, dass ich nicht weiss, wie man sich gezielt dem annähern kann. Es bleibt festzuhalten, dass hier ein fester Rettungsanker winkt. Denn um wieviel erstrebenswerter ist es doch, sein Leben als Aufgabe zu verstehen, statt als völlig Ungläubiger dem Nichts entgegenzusaufen!

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