Hör mir auf mit Natur

Donnerstag, 15. September 2011 | von

Marco Schwarz

Ach hör mir doch auf mit Natur!

Die meisten Menschen lieben die Natur, vor allem jene, die ihr Leben vorrangig in Städten verbringen. So weit ich es verstehe, mögen die Menschen an der Natur vor allem schöne Strände, schroffe Gebirge, Wälder und Wiesen mit all den wunderbaren Tieren und Pflanzen.
Wer könnte dagegen etwas haben?

Ich.

Nein, natürlich nicht gegen Tiere und Pflanzen. Ich habe etwas gegen diese verklärende Sicht auf die Natur. Je nach Glauben wurde die Natur von Gott erschaffen oder entstand von selbst. Sie umfasst alle Erscheinungsformen auf der Erde, wenn man das Weltall einmal beiseite läßt. Wiederum je nach Glauben ist auch der Mensch Teil dieser Natur, oder er ist aus ihr herausgetreten, nicht durch sein körperliches Wesen, aber durch sein Denken und Handeln.

Klar, dass dennoch manche wie Vieh leben, während andere durch ihr Sein "fast schon nicht mehr von dieser Welt" sind.

Es braucht gar keine Philosophie. Auch mir gefallen Strände, Berge und Wälder. Für mich jedoch verkörpert die Natur aber auch die ständige Bedrohung des individuellen Lebens.

Es mag meinem ganz persönlichen Verfolgungswahn entsprechen, aber ständig stellt mir die Natur ein Bein. Zum Wetter habe ich meinen Teil gesagt, aber da sind auch noch all unsere Feinde: Viren und Bakterien, die uns vernichten wollen. Ungeziefer, das meinen Hund Dino angreift, bis er sich die Haut aufkratzt. Steine, die sich aufrichten, damit man über sie stolpert. Und für alle: Stürme, die Existenzen vernichten. Und hat einen der Teufel noch nicht geholt, sieht man ständig im Fernsehen, was alles noch kommen kann: Asteroiden. Supervulkane. Mega-Hurricans. Monster-Tsunamis. Der tödliche Gammastrahl einer Supernovaexplosion. Pech gehabt, wenn man auf einem Planeten lebt, der genau von dem Strahl getroffen wird. Alles wird zu Pulver. Alles reine Natur.

Neben den großen lauern die kleinen täglichen Katastrophen, und die reichen mir völlig: Würmer und Schnecken, zu Tausenden zermahlen von Schuhen und Reifen. Spinnweben sinnlos und heimtückisch morgens über Wege gespannt. Und wie endet fast jeder Tierfilm? Das wunderschöne Erdhörnchen, das wir seit seiner Geburt beobachten durften, streckt ein Mal zu oft seinen Kopf aus der Höhle und wird von einem Raubvogel gefressen.

Und das ist kein Zufall oder dummes Verhalten. Das ist das Prinzip der Natur. Jeder frisst alles auf, was er schafft. Jeder findet einen Trick, wie er noch besser fressen kann, ehe er selbst dran ist.

Im Geist bete ich, dass GOTT weiss, was das alles soll. Ich kann keinen Sinn darin erkennen.

Ich denke ja auch (zu) viel über Religion nach. An der Naturproblematik konzentriert sich alles: Keiner kann mir einreden, dass das Gefasel von Urknall und Evolution die Natur erklären könnte. Nicht in Ansätzen! Die Natur allein der Zellen ist so komplex, dass Äonen von Paralleluniversen nicht für eine zufällige Entwicklung ausreichen können. Also: Der Herr hat die Welt erschaffen. Daran habe ich keinen Zweifel. In der Bibel ist erklärt, warum die Welt trotzdem in so einem erbärmlichen Zustand ist. Weil Satan die Menschen dazu gebracht hat, sich von Gott abzuwenden. So weit, so gut.

Aber wer erklärt mir das Grauen im Tierreich? Das permanente Morden und Verschlingen, um leben zu können? Tiere leben in der großen Gnade, dass sie scheinbar nicht denken, jedenfalls nicht philosophisch. Das war’s aber auch schon.

Und so nimmt mir die Natur die Freude über das Geschaffensein sogleich wieder weg, weil mir keiner erklären kann, wie dieses Grauen in die Welt kam.

  

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