Mi, 16. April 2014

small town
bluesman's blog

Small Town Bluesman

Romane • Gedichte • Texte • Kommentare

Dem Chef sein Gejammer

Donnerstag, 15. September 2011

Dino Schwarz

Manchmal kann ich es nicht mehr hören. Ständig macht er sich Sorgen. Dabei ist er den netteste Mensch, den ich je kennenlernte. Ich habe viel Mist erlebt auf italienischen Strassen, bevor ich zu ihm kam, und ich würde jeden umbringen, der ihm mir wegnimmt, aber manchmal ist es zu viel.

Er hatte vorher einen Hund, mit dem er furchtbar gelitten hat. OK. Aber ich bin ein anderer. Mir geht es erst einmal immer gut. Ich esse, was ich finde. Und schon geht es los:
"Dino! Lass das aus!! Davon kriegst du die Scheisserei!"

Und schon drückt er mir einen Finger ins Maul und holt das Stück wieder raus, flucht und wirft es weg. Stimmt schon, ich habe oft den Dünnpfiff und er gibt sich alle Mühe, kauft nur gutes Essen und sogar Putenbrust, weil Hunde kein Schweinefleisch essen sollen. Am meisten regt er sich auf, wenn ich Katzenscheisse esse.

"Das ist Scheisse!!! Davon wirst du krank!!"

Stimmt auch, aber alles halb so wild. Aber er regt sich auf, denn nun meint er, er muss schon wieder Tabletten vom Arzt holen, denkt aber, die schaden mir auch. Ich sehe es ja ein. Aber es schmeckt eben so gut aus der Gosse.

Oft sagt er, dass er keinen im Leben erziehen kann und dass niemand auf der Welt auf das hört, was er sagt. Die können ihn alle am Arsch lecken. Komisch, da denkt er nicht an Krankheiten. Er sagt, er müsste mir ins Kreuz treten oder auf den Kopf hauen für all das, was ich ständig tue. Aber schafft es nicht. Er sagt:

"Ich kann nur zu denen böse sein, die ich hasse."

Von Erziehung hat er noch nie gehört. Ich liebe den Kerl, ich will immer bei ihm sein. Er ist ein guter Koch und passt auf mich auf. Aber ich lasse mir nicht sagen, was ich zu tun habe! Er spinnt aber auch: Wenn ich ein Fahrrad angreife, weil ich es hasse und es mir Angst macht, tobt er rum, reisst mich zurück, schreit dann mit dem anderen Kerl auf dem Rad rum, doch im Wahrheit hat er nur Angst, ich könnte mir beim Beissen weh tun.

Ständig macht er sich Sorgen. Ich werde selbst ganz weich im Kopf davon, denn ich spüre doch alles, was ihn bewegt. Am schlimmsten ist es mit allem, was Füsse und Beine betrifft. Tausend Mal hat er mich schon beim Gehen beobachtet, ob ich hinke. Und denkt, ich bemerkte das nicht.
Bei mir ist das so: Ich traue fast keinem. Jeder dieser Menschen kann einen angreifen, kann ein Hundemörder werden. Ein paar mag ich, aber alle anderen sollen wegbleiben. Und ich spüre es genau: Er ist eigentlich ganz ähnlich. Er traut den Leuten nicht.

"Wenn sie mir nichts wegnehmen wollen – warum sollten sie sich dann auf mich einlassen?"

Er hat auch keine Frau.

"Aus welchem Elend müsste eine kommen, damit sie sich bei mir verbessern könnte?"

So haben wir beide etwas seltsame Ansichten. Schwierige Zeiten, auch für Hunde.

Schlagwörter:
Themengebiet: Schwarze Seiten
Kommentare und Pings geschlossen.

Ein Kommentar

  1. 1

    “Aus welchem Elend müsste eine kommen, dami sie sich bei mir verbessern könnte?” – auguri. Das hat die Grösze einer griechischen Tragödie.

    Aber die Ernährungshinweise für Hunde möchte ich doch hinterfragen. Unsere sechs Hunde fressen mit Liebe Schaf- und Ziegenscheisse, lieben Hühnerknochen, essen Fischköpfe und -Gräten, verspeissen mit Genusz Hasenknochen, reinigen ihren Darm mit viel Gras und fressen fast alles, snüff, was auch wir Menschen essen. Nur Kartoffeln mögen unsere Apulier nicht.