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Pressetext

Marco Schwarz – "Fast glücklich in Klein Moskau"
Roman

Neuer Roman von Marco Schwarz: "Fast glücklich in Klein Moskau"
Kindheit und Jugend in den Sechziger- und Siebziger Jahren in Bad Säckingen

Marco Schwarz aus Bad Säckingen hat einen neuen Roman veröffentlicht. Das Buch trägt den Titel "Fast glücklich in Klein Moskau" und beschreibt auf sehr subjektive, auch emotionale Weise die Kindheit und Jugend des Autors in der "kleinen Stadt am Hochrhein". Wie gewohnt steht die Romanfigur Marian stellvertretend als Alter Ego des Verfassers im Zentrum der Handlung. Für die Veröffentlichung wählte er wieder den Verlag Books on Demand aus Norderstedt. Ab sofort ist der Roman im Buchhandel, auch online, zu bestellen.

Ja, wenn es nur die teils fast idyllische, teils auch etwas rabiate Kulisse vergangener Tage wäre! Nun ist der Autor aber davon überzeugt, dass man keine Lebensphase ehrlich und korrekt aus der Sicht der Vergangenheit schildern kann. Immer spielt das Heute mit hinein, und deswegen verläuft der Handlungsstrang zwar in der Jugendzeit, doch fortwährend springen die Gedanken heraus in die Jetztzeit und wieder zurück. Könnte man die Geschichte konsequent aus dem Blickwinkel eines Acht-, Zehn-, Vierzehnjährigen darstellen? Vielleicht. Hier aber spricht der zurückschauende, forschende Erwachsene, allerdings ohne den jungen Mann im Buch über Gebühr zu belasten. Zumindest nicht mehr, als es das Leben selbst tat.

Zwei deutsche Familien sind 1945 auf dem Weg nach (Bad) Säckingen, eine auf der Flucht "vor dem Russen", die andere aus der Schweiz ausgewiesen. In schöner, bescheidener Leichtigkeit der Fünfziger Jahre findet sich alles, die Eltern lernen sich kennen und heiraten. 1955 wird Marian geboren. Auf gelungene Weise lässt Schwarz die Atmosphäre der Zeit wiederaufleben. Ältere Einheimische werden, teils mit Wehmut, teils auch mit Freude, an die Stadt mit ihren Straßenzügen vor der Sanierung denken, als "ab und zu ein Auto vorbeikam", als sich am Trompeter-Bahnübergang fünf Straßen mit der Bahnlinie kreuzten, als die Dampfloks noch diese wundervollen dampfenden Ungetüme waren. Als einfach alles langsam und gemütlich zuging. Genau an diesem Bahnübergang verbringt der Junge seine ersten Lebensjahre.

Ausgelöst durch den Zuzug vieler Vertriebener und Flüchtlinge setzte eine rege Bautätigkeit ein. Wohnblocks, neue Stadtviertel wurden errichtet.
"Ich weiß gar nicht, ob der Ausdruck ‘Klein Moskau’ in unserer kleinen Stadt überhaupt bekannt ist oder jemals war, ich selbst habe ihn öfter gehört und dann selbst benutzt. Es war das Viertel, in dem viele der Flüchtlinge in der Nachkriegszeit erst einmal untergebracht wurden. Dort lebten auch wir."
Das klingt nach Konflikt. Es war aber keiner, nur eine gewisse Distanz zwischen Einheimischen und Zugezogenen, die sich nach wenigen Jahren legte.

Das Buch umkreist drei Kerne, alles andere ist Rahmen, Dekoration: Der erste Kern ist ein Konflikt, so alt wie die Menschheit und ihre Literatur, der beständige, zermürbende Kampf zwischen Vater und Sohn. Immer weiß der Vater alles besser, immer ignoriert er die Ansichten und Wünsche des Kleinen und setzt seine eigenen durch. So war es immer! Es ist ein dummes Spiel, ein gemeines Spiel zwischen einem Starken und einem sensiblen Schwachen. Früh zerbricht für Marian der Glanz und Heiligenschein des ‘Chefs’, aber aus seiner Macht kann er sich nicht befreien.
"Marian musste über fünfzig Jahre alt werden, um Sonntage einigermaßen zu ertragen. So macht man einen Schwachen zum Sklaven. Einem Starken vernichtet man die Lebensfreude."

Ja, Marian ist stark. Und eigensinnig. Aber nicht stark genug. Der Kampf dauert Jahre und erzeugt nur Verlierer. Dann dringt der zweite Kern des Buches hinzu, die mystische Zeit des Aufbruchs, all das, was man heute mit den Achtundsechzigern verbindet. Ab 1970 stürzt sich der junge Mann hinein in die verzauberte Welt, doch einen liebevollen Zaubergarten findet er nicht vor.
"Die siebziger Jahre sind gekennzeichnet durch den Einbruch von Alkohol und Drogen in die Jugendträume. Niemand trug Blumen im Haar wie in den Liedern. Love and Peace hielt nur ein, zwei Sommer durch und kam niemals anders in der kleinen Stadt an als in Mythen."

Niemand möge eine Geschichte erwarten, in der die bösen, verstockten Alten gegen die mitreißende, begeisterte Jugend ausgespielt werden. Sehr intensiv beschreibt der Autor den Terror der alten Schule mit dem täglichen Tatzen geben, dem Druck und der verlangten Unterordnung. Dennoch bedauert er weitaus mehr die Schüler der Gegenwart. Nicht viel ist ihm heilig von den Errungenschaften der Moderne. Der Vater verachtet Freunde, weil sie einen nur ausnützen, der Junge ist entrüstet und liebt seine Freunde umso mehr. Nur um am Schluss auch ohne Freunde dazustehen.

Der dritte Kern wiederum ist das wirklich älteste Spiel der Welt. Die Jungen und die Mädchen. Die Liebe. Mitreißende Stürme der Zuneigung und abgrundtiefe Verzweiflung. Es will einfach nicht passen. Marian macht alles falsch, so bald er etwas intensiv herbeiführen will. Und von selbst geschieht es auch nicht richtig.

Ein Heiligtum jedoch, ein einziges, findet Marian auf seinem Weg zum Erwachsenen:
"Es kam vermehrt vor, dass Harri werktags nicht nach Hause kam. Er hatte als Baustellenleiter weiter entfernte Projekte zu betreuen und war von Montag Früh bis Freitag Abend fort. Das war nicht schlecht. Niemand störte Marians Kreise. Nicht dass er seine neue Freiheit beschämend ausgenutzt hätte! Er lernte sie eben erst kennen und erlebte, wie viel besser man ohne Druck und Beaufsichtigung dran war. Diese Erkenntnis war so tiefgreifend, dass er seine Freiheit fürs ganze Leben nie mehr aufgeben wollte. Es war ein Urerlebnis. Dabei wurde er nur gerade so frei wie jeder andere, der nicht dauernd unter Druck stand. Eine Art von Freiheit, nicht mehr."

"Den Hauptteil der Erziehung hatte längst das Fernsehen übernommen. Alle Filme waren in übertragenem Sinn nur ein Film, und er sagte: Ein Mann geht seinen Weg. Seinen, nicht den eines anderen. Da leuchtete dieses Zauberwort. Freiheit. Der Marlboro-Mann mochte reiten oder Auto fahren, immer schüttelte er Ansprüche und Widersacher ab und machte sich dann auf den Weg in die Freiheit. Um dort genau das zu tun, was er selbst wollte. Das konnte im Wilden Westen sein, irgendwo in einer Großstadt oder in einem Kuhdorf der Gegenwart. Er erledigte sein Anliegen, dann stieg er in einen verchromten Straßenkreuzer, drehte die Scheibe herunter, hängte den Arm raus, drückte das Gaspedal durch und ließ die Kupplung knallen. Oder stieg auf sein Pferd. Hinaus aus dem Ort und auf leeren, einsamen Straßen in die Weite, auch ins Licht."

Weitere Informationen und eine Leseprobe des Romans gibt es im Internet unter http://www.nihilio-im-westen.de

© 2012: Marco Schwarz