Ist Kultur heute Afterkultur?

Freitag, 16. September 2011 | von

Marco Schwarz

Afterkultur auf Leinwänden und Bühnen

Ich weiss es nur aus den Medien, aber was ich sehe, sagt mir, dass alle Werte in den Schmutz gezogen werden. Seit 100 Jahren ist Malerei fast nur noch Gesudel. Auch dazu studiert man, doch als Ergebnis sieht man verzerrte Fratzen, zerstörte Wesen und Farbspritzer. Auf Bühnen begießen sich Schauspieler mit Blut und Scheiße, und ich warte auf den Tag, an dem sich Romeo und Julia auf einem verpissten Bahnhofsklo paaren. Es steht zu vermuten, dass das dann auch gleich Romeo und Julius sein werden.
Ja, ich weiss, dass die Welt ganz schlecht ist, dass das Leben einem böse mitspielt, dass man alles schwarz und grau überstreichen möchte. Aber sollte die Kunst nicht unser Leben erheben?
2. Afterkultur durch Beschmutzung. Beschmutzung als menschliches Selbstwertkorrektiv

Afterkultur Unterhaltungsmusik

Es ist eine persönliche Eigenheit, dass ich Musik aus dem Radio nicht ertrage. Ich spielte 40 Jahre Gitarre, sammelte Platten und CDs, spielte in Hobbybands und gab Unterricht. Dann vor einigen Jahren brach alles zusammen. So schlimm, dass ich das ganze Geklimper nicht mehr hören kann. Mit fiel ein, dass ich von früher Jugend das meiste der Musikproduktion hasste. Seichte, blöde, dumme Kommerzmusik. Ich liebte Bluesrock, später Jazz, und von allem das beste.

Dann aber konnte ich gar nichts mehr hören. Ich spiele nicht mehr, die Gitarren stehen rum oder sind verkauft. Die Musik ist mir abgefault. Obwohl ich Amerika sehr mag, ertrage ich vor allem fast kein englisches Gesinge mehr. Diese ganze monotone, sexualisierte, endlos wiederholte Affenmusik! Aber auch deutsche Texte bestehen nur aus Schleim oder aus linkem Ökogesülze.

Dann fiel mir auf, dass ich ganz selten doch noch Musik mag, wenn zufällig mal was Gutes von früher im TV kommt. Aber wieder ist alles begraben unten Megatonnen von kultureller Scheisse. Und die quillt täglich aus den Radios, in Kaufhäusern, Kneipen, BUMBUMBUM aus Idiotenautos. Kein Film, kein Bericht im TV ohne diese verdammte Klimpermusik.

Sie sind süchtig. Man sieht Leute beim Joggen, Radfahren, Spazieren mit Ohrstöpseln. Überall das elende, sinnlose Geklimper.

Es gibt auch noch Richard Wagner. Ich entdeckte auf 3sat den "Ring" aus Valencia. Großartig, auch ermüdend. Es ging so lang, dass ich mich dazwischen auf die Isomatte legte, eine Weile schlief, und danach ging es weiter. Die Walküre. Siegfried. Sehr deutsch, sehr romantisch, sehr verloren das Ganze. Wunderbar. Aber sonst …
3. Afterkultur durch Dauerpenetrierung. Geklimper letztlich als Erkennungs- und Beheimatungsmerkmal aller Gleichgeschalteten

Afterkultur Fernsehen

Das ist das Größte: Unsere kulturelle Bereicherung durch das Fernsehen. Ich weiss, wovon ich rede, denn ich verbringe seit vielen Jahren fast jeden Abend am TV. Ich will es nicht anders. Den ganzen Tag bin ich ziemlich kreativ und renne mit dem Hund rum, abends ist Ruhe. Glotze. Es ist fürchterlich.

Ich will gar nicht die verblödeten Spielshows und Pseudoaufklärungsberichte wie der Schuldenkönig, Trampel sucht Trampel und die unerzogenen Blagen der Supernanny zerfetzen. Nein, das normale Programm, die Aufklärung, die politischen Berichte: Überall scheint die Gehirnwäsche heraus, wenn man nur etwas sensiel dafür ist. Ich bin sensibel, und ich habe eine recht kurze Lunte. Also bin ich jeden Abend im Streit mit dem TV. Alles steht unter dem Motto: Wie verblöde ich mein Volk? Wie steuere ich es dahin, wo es hin soll? Dazu gehört ebenso das Schüren von Neid und Missgunst wie dieser penetrante "Kampf gegen Rechts" der Gutmenschen.
4. Afterkultur als Methode der Menschenführung

Resumee

Geschichte wiederholt sich nicht, jedenfalls nicht so detailgetreu, dass man die heutige Lage mit der Vergangenheit vergleichen könnte. Meiner Ansicht nach ist die Afterkultur unserer Gegenwart die traurig-süsslich schleimende Begleitmusik des langsamen Untergangs der westlichen Zivilisation. Darüber könnte man Bücher schreiben, aber tun es nicht auch wenige Fragen?
Wer kann diese Kultur genießen? Wer zieht daraus einen Nutzen? Wen bereichert sie? Natürlich die Produzenten und die Eigentümer unserer Länder. Nein, das ist ganz sicher nicht "das Volk"! Kann es sein, dass ganze Völker sich überdrüssig werden und fast bereitwillig in ihren Niedergang einstimmen? Fast möchte man es glauben. Und die, die sich dagegen wehren wollen, sind dazu verurteilt zuzusehen. Weil niemand ihre Warnungen hören will, weil niemand sie mehr versteht.

Gute Nacht, Deutschland. R.I.P.

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