Nihilio im Westen

 

 

Infos zum Buch von Marco Schwarz

 

 

 

 

 

Motto

Lachend am Abgrund · 1997

Alexander der Große starb
mit 32 Jahren in
Babylon. Kaiser Heinrich VI.
fiel vor genau 800 Jahren
mit etwa 30
der Malaria zum Opfer.
Und mein geliebter Hund
Willi ist auch schon über
ein Jahr tot.
Und da versuchst du, mir eine
Rentenversicherung anzudrehen.

Ich stehe auf zerbröselnden
Klippen
unter meinen Füssen knirscht der
Sand, der einst Fels war. In ein
paar Jahren oder morgen
rutsche ich ab. Heute stehe ich
lachend am
Abgrund.

 

Fliegen · 2009

Für Robbie Williams

Draußen vorm Balkon
im Busch die Spatzen
Sie fliegen weg auf die andere
Straßenseite
Ach, wäre das schön
fliegen zu können wie ein Vogel

Aber nicht, ein Vogel zu sein
Für sie ist das Fliegen gar nichts
Besonderes

Sie fliegen rum und haben trotzdem
Depressionen
wenn’s schlecht läuft.

 

Schattenreich · 2016

Adolf Hitler spielt Skat mit
Fritz Walter und Mutter Theresa.
Ob sie das kann?
Sie hat viel Zeit.

Wer stirbt, geht ins Schattenreich und
wird eins mit den Schatten.

Das könnte gut sein, muss es
aber nicht.

Was soll das alles?

Das frage ich mich auch schon lange.

Auf diesen Seiten wurden eigentlich mal meine Romane vorgestellt. Es hat sich herausgestellt, dass kein Mensch daran interessiert ist. Nun sind die Bücher wieder auf meine Homepage www.marcoschwarz-online.de umgezogen.

In der Folge mache ich mir auf dieser Seite ein paar Gedanken. Ich weiss, das tut nicht gut.

Meine Romane
Meine Romane

"Nihilio im Westen" ist der Titel meines dritten Romans, für dessen Bewerbung ich ursprünglich diese Domain eingerichtet hatte. Nach grossartigem Misserfolg, namlich den Verkauf von vielleicht ein paar Dutzend Büchern über Jahre, habe ich eingesehen, dass es Zeitverschwendung wäre, weiter auf dem Roman und seinen Brüdern herumzureiten.

"Nihilio im Westen" ist hier zu finden: www.marcoschwarz-online.de/words/nihilio-im-westen.html.

Und das Krakelbild?

Nihilio im Westen

Der zugegeben stümperhafte Versuche, mit der Maus am PC etwas zu zeichnen, das wie ein Wanderer mit Reittier (Pferd? Esel?) aussieht. Es landete auf dem Romantitel.

Und was bedeutet das?

Nihilio

Spielerischer Name des Romanhelden, der auf wenig spielerische Gedanken zurückgeht. Das lateinische Wort nihil bedeutet ‚nichts’. Nachdem Nihilio den Namen von seinem Meister wegen seiner persönlichen Eigenart verliehen bekommt, mit der Begründung, "Ich habe einen neuen Namen für dich, der du gedankliche Normen und Werte im Herzen ablehnst." trägt er diese Verfasstheit, die ihn von Anfang an auszeichnet, mit sich aus dem mittelalterlichen China in den Westen.

Nihilio ist kein Philosoph, aber ein Denker. Er wälzt die Worte nicht bis zum Erbrechen durch den Geist, weswegen er auch keinen Einwand gegen seinen Namen hat, denn er würde niemals auf die Idee kommt, dahinter stünde die Absicht, das Nichts, das Chaos, und die Unordnung zu fördern.

Nihilismus

Aus nihil leitet sich der Nihilismus ab, ein heikles Gebiet, dünnes Eis, denn die Definitionen und Ansichten des Nihilismus unterscheiden sich sehr. Für Nihilio und seinen Meister bedeutet es, "gedankliche Normen und Werte abzulehnen", für andere eher die Ablehnung jeder Moral und Ordnung.

Wikipedia: (http://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus):

"Weltanschauung, die alle Werte und Normen als nichtig ansieht" und "Der Begriff Nihilismus (lat.: „nihil“; „nichts“) bezeichnet eine Weltanschauung, die eine vorfindbare Sinnhaftigkeit der Welt bestreitet."

Dies ist eine sehr passende Definition, denn sie sagt nicht, dass die Welt nicht sinnhaft sei, sondern dass die Sinnhaftigkeit nicht feststellbar ist. Woraus sich alle Offenheit und Toleranz ableiten lässt, für die Nihilio eintritt. Aber leider auch ebenso alle Fragwürdigkeit und Orientierungslosigkeit, die die Sensiblen unter uns so sehr quält.

Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache:

Nihilismus: bürgerlichphilosophische Anschauung von der völligen Nichtigkeit alles Bestehenden, aller Werte, Normen und Ziele

Faschisten wurden als Nihilisten bezeichnet, auch Atheisten, auch Anarchisten. Wieder dünnes Eis, ein Spannungsfeld zwischen friedlichem Zusammenleben ohne Unterdrückung und Bombenwerfen.

Ich:

Ganz daneben, aber nicht völlig abwegig, vor allem, wenn man die aktuellen Beglückungen bedenkt, die unser Westen der Welt geschenkt hat, taucht der Gedanke auf, dass es dort – im gelobten Westen – eben nichts gibt, nichts Besonderes, nicht Erwähnenswertes, nichts, was die Welt irgendwie besser machen könnte.

Warum ich vieles nicht mehr tue

Sehr vieles, dass ich über Jahrzehnte betrieb, habe ich nun völlig aufgegeben. Es erfüllt mich zwar mit einer gewissen Wehmut, soll aber nicht als Gejammer, sondern eher als Erklärung für mich selbst beschrieben werden. Was habe ich denn alles aufgegeben?

Gitarre spielen

Mit 14 bekam ich eine Gitarre, nahm etwas Unterricht, klimperte herum. Erst mit 30 entdeckte ich die E-Gitarre und brachte mir vieles bei. Ich spiele in Hobbybands, wurde besser, gab Unterricht, schrieb eigene Lieder. Der Spass war gross, das Lampenfieber vor seltenen Auftritten auch, doch der Erfolg blieb aus. Immer wollte ich Kunst machen, nicht nachklimpern, verband zu viele Gedanken und Wünsche mit der Musik. Die ewige Streiterei in den Bands nervte, der Richtungsstreit und der Krieg der Temperamente. Etwa als ich 50 wurde, 2005, zerbrach alles. Ich stellte den Unterricht ein, verliess die Band, verkaufte die meisten Gitarren. Mein Hund starb. Der Sinn der Musik und meine Träume dahinter zerbröselten. Es kam der Tag, da ich dachte, dass die Töne wie chinesisch klangen und keine Bedeutung mehr hatten.

Zu allem die verfluchte englische Kommerzmusik, die überall herausquillt. Mittlerweile schalte ich die Glotze um, wenn Musik gespielt wird.

Nun 2015 werde ich meine letzten beiden Gitarren verkaufen, mit denen ich wieder anfangen wollte. Warum soll ein alter Depp weiter herumklimpern, wenn es keiner hören will? Sollte er glauben, die alten Träume, die er einst damit verband, könnten sich nun erfüllen? Jetzt, da er sie längst beiseite geschoben hat.

Malen

Als Schüler war ich der letzte Penner in Kunst, Musik und Turnen. Später brachte ich mir alles selbst bei, und der Schule bin ich dankbar, dass sie mich das gelehrt hatte. Ich malte von 1987 bis etwa 2000, fing später noch ein wenig wieder an. Es gab mal eine Ausstellung, und einige wenige Bilder konnte ich verkaufen. Viele habe ich verschenkt, andere weggeworfen, und alle auf der Homepage dokumentiert.

Es war Freude und Genuss, mit den Farben zu arbeiten, sich Motive auszudenken, auch Ideen umzusetzen. Die Enttäuschung wuchs aus dem, von dem ich mir am meisten erhofft hatte, dem Internet. Es gab niemals irgendeine Resonanz auf die Bilder, und damit meine ich nicht kaufen, sondern allein schon einen gewissen Austausch.

Die Farben liegen im Keller bei der Staffelei und den unbenutzen Leinwänden. Ich werde nicht wieder anfangen, so weit ich das jetzt sehe.

Fotografieren

Hat sich mal jemand überlegt, wie viele Milliarden völlig sinnloser Fotos es gibt? Wieviele Terabyte Daten vollkommen unnötig irgendwo auf wunderbaren Festplatten und mit teuerem Strom gespeichert werden? Heute knipst sich täglich jedes Arschloch selbst von allen Seiten. Und jeden, der ihm vor sein Gerät kommt. Mir wurde das Fotografieren noch old style beigebracht, mit Tiefenschärfe, ASA und selbst entwickeln. Um die Zeit bei der Arbeit totzuschlagen, produzierte ich damals schon viel zu viele Bilder. Und im Urlaub kamen die Sehenswürdigkeiten dran.
Heute bin ich schon so sehr Nihilio geworden, dass ich in Zweifel ziehe, dass es überhaupt Sehenswürdigkeiten gibt. Meine Canon-A1 habe ich meinem Bruder überlassen, und die Digitalkamera benutze ich nur noch, um Fotos von etwas zum Verkaufen zu machen.

Daneben stört mich auch die Vergänglichkeit. Wie immer. Gestern lernte man jemanden kennen, heute knipst man ihn, und morgen ist er fort. Tot oder treulos geflohen. Nein, damit ist auch Schluss.

Literatur absondern

Ja, ich gebe es zu. Mein früher Traum war der des Rockmusikers, den die überdrehten jungen Weiber anhimmeln. Später wollte ich der Dichter sein, der sich von den Büchern dieses weisse Haus auf den Klippen leisten kann. Schön mit Stacheldraht abgeschirmt. So gehen Träume eben, und sie werden selten wahr. Mit dem grössten Herzblut hackte ich früher meine Geschichten in die Schreibmaschine, schrieb 1981 den ersten kurzen Roman, veröffenlichte ihn im Selbstverlag, nahm sogar ein paar Hundert Mark damit ein. Später am PC brachte ich es auf vier Romane und einige Texte und Gedichte. Es wurde auch einige der Bücher verkauft, und die Kosten waren nicht so hoch. Aber es rechnet sich einfach nicht. Es lohnt sich nicht, denn man erreicht nichts und man bewirkt nichts.

Ich kann das alles gut verstehen. Es gibt von allem zu viel. Bücher, Bilder, Lieder ebenso wie Autos, Fernseher und Kleider. Und Menschen. Diese Dinge gibt es inflationär, und deswegen sind sie nichts wert. Das ist in Ordnung, aber von mir gibt es das nun alles nicht mehr.

Vielleicht war ich einfach in allem nicht gut genug.

Immer wieder wird gesagt, man betriebe derartige "Hobbies" nicht für andere, sondern für sich selbst. Der Irrtum liegt im Wort Hobby: Künstlerische Leidenschaft ist kein Hobby, sondern ein Leidensdruck, etwas zu schaffen, hervorzubringen. Dieses Geschaffene allerdings sollte irgendjemandem gefallen, ihm nützen oder von ihm gekauft werden. Natürlich kann man sagen, all das pudert nur das zu geringe Selbstwertgefühl. Aber das sollte man lassen, denn so lässt sich jede Anstrengung bis hin zu Alexanders Eroberung Asiens zerreden.

Es bleibt festzuhalten, dass es sich nicht lohnt, Energie in Betätigungen zu stecken, deren Ergebnisse keinen interessieren.

 

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